Transparente Bilder
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Raftingtour Tatshenshini River – wild und unberührt –

Der Overkill der Szenerie

215 Km bis zum Pazifik

 

Was schon lange geplant war wurde gestartet. Aber es war von einigen Faktoren abhängig. Zuerst der Behördenkram.

Ich bekam die Startnummer 257 und die musste erst im Auslosungsverfahren gezogen werden.

Es sind aber auch viele Nummern von Personen drinnen die dann wenn es soweit ist nicht fahren wollen.

Da ich nur von Mitte Juli bis Anfang August Zeit hatte war diese auch begrenzt. Im Jahr 2008 wo ich den ersten Versuch unternahm bekam ich die Genehmigung erst im April 2009, da war es für die Buchung der Flüge zu spät.

Aber diesmal hatte ich Glück und die Information dass ich das Permit bekommen werde kam Anfang Jänner 2010.

Meine Partner standen alle Gewehr bei Fuß. Auch meine Frau Gerlinde war mit dabei.

Dann die Auflagen für die Sicherheitsausrüstung, der Feuerstelle (man braucht dort eine Feuerpfanne) und zu guter Letzt die Expeditionstoilette.

Wir waren fünf Personen, mit fischen schaut es auch schlecht aus am Tag, somit müssen wir eine Menge Nahrung für die siebzehn Tage am Fluss einplanen.

Wo soll das alles Platz haben? Also kaufte ich erst einmal 100 Sackerl Fertignahrung im Supermarkt bei uns in Österreich.

Aber dann war es soweit. Wir hatten alles gepackt und waren mit meinem Truck unterwegs zum Startplatz nach Dalton Post.

Mein erster Blick galt dem Wasserstand. Zu niedrig wäre durch die scharfen spitzen Steine im folgenden 7 Km langen Canyon ein Problem. Ein zu hoher genauso.

Was ich sah war perfekt – mittlerer Wasserstand. Bei herrlichen Wetter starteten wir. Der Canyon war mit WW3 – WWIV angegeben.

Ich hatte eine HDV Kamera hinter mir am Stativ montiert und eine HD Helmkamera auf. Alles sollte eingefangen werden, da bisher kein Film von dieser Schlucht existiert.

Nach einer ruhigen Stunde Flussfahrt waren wir mittendrin. Der Tat schäumte durch enge 90° Kurven. Obwohl der Schlauchdurchmesser bei meinem Boot 60 cm misst spritzte es bis nach hinten.

Die Flussenge überraschte mich. Teilweise hatte ich in den Kurven kaum Platz mit meinem 5,5m Maravia Raft, und überall diese spitzen Steine.

Nicht umsonst haben hier schon einige einen größeren Schaden bei Ihrem Boot erlitten. Die M&M Falls kamen unangekündigt.

Auf einmal hörte der Tat vor mir auf, der Hauptstrom wurde nach links gedrückt. Aus dem Augenwinkel sah ich rechts eine 2m hohe Felswand wo das Wasser drüber schoss.

Nun ging es aber auch auf meiner linken Seite wie in einer Rutsche bergab nur das ein Schwemmholzhaufen in meine Fahrtrinnne ragte.

Gerlinde hinter mir ging in Deckung, das Boot touchierte leicht mit dem Heck, dann waren wir durch.

Am Silver Creek angelangt machten wir unser erstes Camp. Es ist eine perfekte Gegend.

Der Tat ist noch fast klar, somit hatte unser Profifischer Thomas leichtes Spiel. Nach 10 Minuten war der erste Königslachs gelandet.

Wir hatten gute Aussicht auf die Berge und das Wetter blieb konstant schön.

Am nächsten Tag ging die Etappe 35 km durch den Wald bis zum Sediment Creek. Wir waren 6 Stunden unterwegs und sahen nichts Aufregendes.

Wir umfuhren Inseln, wichen umgestürzten Bäumen aus und sahen ab und zu einen Weißkopfadler und ein paar Enten.

Am Sediment wird die Gegend wieder offen und man kann weit wandern. Nächster Tag. Am Morgen beim Zähne putzen begegnete mir der erste Grizzly.

Aber er war brav, wich mir gleich aus als er mich in den Wind bekam und verschwand oberhalb des Camp im Busch.

Weiter geht die Fahrt. Die nächste Strecke bis zum O`Connor River war 21Km lang. Die Bäche die hier in den Tat münden haben durch das viele Schmelzwasser Flusscharakter.

Der Tat schwillt nun mächtig an. Die Wasserwucht und das Gefälle nehmen zu. Einige Kilometer weiter lag Staub in der Luft. In meterhohen Wellen durchfuhren wir enge Kurven und glitten an drei Meter hohen Cutbanks entlang. Bei Sturm landeten wir am O`Connor River. Hier soll auch der Wind Tunnel beginnen. Wir beschwerten die Zelte mit Steinen. So manchem wurden diese schon in den Fluss geweht.

Nächsten Tag machten wir eine Wanderung ins das unberührte Tal des O´Connor, ein weit verzweigtes Flusssystem aus dem im Hinterland die Gletscher leuchten.

Weiter geht es zum 26 Km entfernten Towagh Creek. Der Fluss fächerte sich jetzt in viele Arme auf. Es war oft schwierig den richtigen Flussarm zu finden, noch dazu bei diesem Gegenwind der das Boot immer in die falschen Richtung drückte.

Die Farbe des Flusses war mittlerweile ein sedimentgesättigtes Grau, überall rinnt Gletscherwasser zu.

Am Nachmittag landeten wir beim Towagh Creek. Rosarote Fireweed Wiesen bedecken die Berghänge. Jede Menge Grizzlylosung.

Ich stand zwei Tage bis 11° abends mit Stativ und Kamera im Schwemmland des Towagh, aber außer zwei verschreckten Schwarzbären war nichts zu sehen. Die Dominanz der Grizzlys ist unverkennbar. Sie killen Schwarzbären.

Das nächste Etappenziel hieß Melt Creek – Fahrtstrecke 24 Km.

In wilden S-Turns windet sich der Tat durch die bergige Landschaft. Einige Walzen hatten mittlerweile eine Größe erreicht wo ich ausweichen musste. Als wir einmal schnell um eine Ecke rauschten, ertappten wir am Ufer 20m entfernt einen großen Grizzly. In Panik preschte er davon. Melt Creek ist high bear traffic. Ein alter Bärentrail geht hier bei der Mündung über den Melt und schon nach einer Stunde Aufenthalt kam der erste Grizzly angeschwommen. Das ist für mich, der ich gerne Tiere filme, wie im Paradies. Die Grizzlys gingen zwar weiter oben ins Wasser wurden aber durch die starke Strömung des Melt weit abgetrieben und kamen 50 – 100 Meter oberhalb unseres Camps auf unserer Seite aus dem Wasser.

Dabei konnte ich beobachten dass die Kleineren viel schneller und geradliniger schwammen als die Größeren. Einer war ein Riese mit cirka 400 Kg. Er kam neben meinem Kamerastandplatz aus dem Wasser. Schon während des Schwimmens rümpfte er die Nase - ein Zeichen das er uns bemerkt hatte. Aber er wurde um keinen Deut schneller. Als er vor uns langsam vorbeiging, war er vollkommen relaxt. Gerlinde lobte ihn mit den Worten `Bist du ein braver Bär`. Er hielt inne, musterte uns, lauschte der Stimme und ging dann ruhig seines Weges. Wir blieben hier drei Tage, gingen wandern, pflückten Herrenpilze und Beeren und Gerlinde kochte leckere Gerichte.

Die nächste Etappe war 27 Km lang und ging bis zum Walker Gletscher. Gleich unterhalb des Melt ist der Zusammenfluss des Tat mit dem Alsek und wir raften auf einer riesigen Wassermenge. Hier geht es darum den richtigen Strömungsverlauf zu erkennen dann ist man schnell unterwegs. Es nieselte und es war richtig kalt, aber in der Ferne sahen wir schon wieder

blauen Himmel. Der Wettergott meinte es wirklich gut mit uns. Am Tat und Alsek kann es wochenlang regnen, im Sommer schneien, oder einem das letzte Haar vom Kopf brennen.

Das tiefblaue Eis des Walker Gletscher kam in Sicht und wir landeten bei herrlichem Abendrot. Am nächsten Tag war eine Gletscherwanderung angesagt. Am Morgen war der Himmel noch bedeckt als wir den Eissee mit seinen vielen Eisbergen entlangwanderten. Dann bekam die Sonne die Oberhand und der Gletscher präsentierte sich im perfekten Licht. Wir gingen neben tiefen Spalten, sahen Teiche aus denen es in der Mitte wie aus einem Geysir hervorsprudelte, und eine Gletschermühle wo das Wasser in wilden Kaskaden in der Tiefe verschwand.

Um eine bessere Übersicht zu haben kletterten wir den ersten Steilhang neben dem Gletscherbruch hinauf, und genossen den Ausblick über die St. Elias Range. Gletscher reihte sich an Gletscher. Das `Scenic Overdose Syndrom` fing an von uns Besitz zu ergreifen. Nicht umsonst gehört dieses Gebiet zum Weltkulturerbe. Mit dem Fernglas sahen wir unser Schlauchboot als kleinen gelben Punkt in der Landschaft.

Das Wetter verschlechterte sich jetzt und es regnete zwei Tage lang. Wir waren darüber aber nicht böse, denn Zeit hatten wir genügend. und die letzten Tage waren anstrengend gewesen. Unterhalb des Gletschers fanden wir bei einem Wasserfall einen netten Sandstrand als Campingplatz.

Nächste Etappe – 35 Km bis zum Lake Alsek

Bei herrlichem Wetten brachen wir wieder auf. Der Novatak Gletscher - ein riesiges Eisfeld - tauchte zu unserer Rechten auf.

Das satte Grün der Berghänge zeugt vom vielen Regen. Wir befanden uns schon in der Nähe des Pazifik.

Gemütlich schlängelte sich der Alsek dahin. Wir genossen die vorbeiziehende Landschaft. Das Herunterbrechen von Teilen der Böschung hinter uns erinnerte uns wieder daran, wie labil die Gegend ist. Es ist das am stärksten gefährdete Erdbebengebiet von Nordamerika. Dann wurde der Flussverlauf wieder schmäler und bildete einen Flaschenhals aus.

Die großen Eisberge des Lake Alsek tauchten auf. Wir nahmen Tor 1. Der Flussarm floss mit einiger Power in den See und sollte unser Boot in den Eissee hinausschießen. Aber wie wir schon beim Scouten feststellten, waren einige Eisberge in der Strömung der Einfahrt in Seeufernähe gestrandet und so landete ich noch rechtzeitig auf einer Schotterinsel bevor der Fluss mit einem Rauschen zwischen dem Eis verschwand. Der Wind dirigiert die Eisberge mehr als die Strömung eines Flusses.

Auf einmal bemerkten wir eine Bewegung. Zwei kleine Grizzlybären tollten auf uns zu und es entstand Hektik. Wo war Mama Bär, wo war der Bear Spray? Bei einer Attacke der Bärin kämen wir nicht schnell genug von hier weg. Das Gepäck wurde auf den Kopf gestellt. Endlich der Spray in Griffweite. Die kleinen Jährlinge waren schon auf unter 10m heran und schauten uns mit großen Augen an.Ich musste es riskieren, ich stieg aus, baute mein Stativ auf und filmte eine Stunde lang die Bärchen. Hinter mir klickten die Kameras, eine einzigartige Situation. Dann begannen die Kleinen nach Ihrer Mutter zu rufen, und wir setzen mit der Seilfähretechnik und vollem Ruder- und Paddeleinsatz durch den schnell fließenden Flussarm zum Seeufer über. Dort sahen wir die frischen Spuren von allen dreien. Mama Bär hatte die Kleinen sicher zum Schutz vor Wölfen und anderen Bären auf der Insel ausgesetzt und war für  kurze Zeit Ihres Weges gegangen.

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